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    13-04-2019

    Digital und inklusiv

    Die Paralympics sind beeindruckend. Die teilnehmenden Sportler mögen zwar im Alltag durch ein Handicap eingeschränkt sein – bei dieser Sportveranstaltung zeigen sie jedoch, was alles in ihnen steckt. Und geben wir es ehrlich zu, dieser Sportler sind wesentlich fitter als der durchschnittliche Deutsche. Aber nicht nur die Teilnehmer der Paralympics leisten Beeindruckendes, sondern auch jeder Mensch, der aufgrund eines Handicaps Einschränkungen im Alltag erfährt. Technik und Forschung können jedoch einen großen Einfluss auf die Lebensqualität haben und das hoffentlich im positiven Sinne!

    Was ist nötig?
    Handicaps und Behinderungen können bereits angeboren sein, beispielsweise durch eine genetische Mutation oder während der embryonalen Entwicklung. Andererseits können Unfälle und andere Lebensereignisse für eine erworbene Behinderung verantwortlich sein. In diesen Fällen müssen die Betroffenen sich umgewöhnen und teilweise werden auch spezielle Vorrichtungen zuhause nötig. Aber egal, ob erworben oder angeboren, in vielen Fällen bedeutet eine Behinderung leider noch immer auch eine Einschränkung. Insbesondere die Selbstständigkeit ist häufig betroffen: Für viele Dinge, die Menschen ohne Behinderung als alltäglich ansehen und über die sie vielleicht auch gar nicht weiter nachdenken, ist bei einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung Unterstützung nötig. Moderne Technik kann das Leben für uns alle einfacher machen.

    Die Kamera als Augen
    Bei Jugendlichen oder der jüngeren Generation allgemein stößt es auf Kritik, wenn alle Geschehnisse zunächst mit der Handykamera dokumentiert werden. Sie würden nicht mehr den Moment erleben. Aber bei Personen mit einer Sehbehinderung können Kameras die eigenen Augen ersetzen. Beispielsweise betreibt das US-amerikanische Unternehmen Be My Eyes eine App, mit der quasi videotelefoniert wird. Die Person am anderen Ende der Leitung liefert eine Beschreibung der Umgebung, was er oder sie über die Handykamera sieht. Dadurch können Transaktionen an Automaten wie Fahrkartenlösen ermöglicht werden und man kommt auch in einer fremden, unbekannten Stadt ans Ziel, ohne über Taschen zu stolpern oder eine unfreiwillige Dusche in einem bodentiefen Springbrunnen zu nehmen.

    Wenn die Welt still ist
    Für Menschen, die ihre Umgebung nicht durch den Hörsinn wahrnehmen können, stellen sich natürlich ganz andere Hindernisse. Hier wurden neben den verschiedenen internationalen Zeichensprachsystemen natürlich auch technische Geräte entwickelt. Eins der wohl umfassendsten Hilfsmittel ist das Cochlea-Implantat, was allerdings nur bei einem noch funktionsfähigen Hörnerv sinnvoll ist. Dabei bleibt diese Möglichkeit nicht ganz ohne Kontroverse. Weitere Hilfestellungen sind Apps, die Symbole der Gebärdensprache zeigen, die Gesprochenes in Geschriebenes umwandeln oder die mit Lichtsignalen auf Geräusche aufmerksam machen.

    Bewegungsimmobilität – aber nicht an einen Ort gefesselt
    Es gibt unzählige Geschichten, wie durch einen Unfall die eigene Beweglichkeit verändert wurde. Exoskelette wirken zwar wie aus einem Science-Fiction-Film, sind aber schon wirklich Realität. Auch Prothesen entsprechen schon längst nicht mehr einem Holzbein, sondern verraten sich in vielen Fällen nicht einmal mehr im Gangbild. Wer dennoch auf einen Rollstuhl angewiesen ist, wird je nach Land auf unterschiedliche Schwierigkeiten stoßen. Rampen oder Fahrstühle sind nicht überall verfügbar und spezielle Karten wie Wheelmap.org zeigen mit einem Ampelsystem die Barrierefreiheit an. Sie können dabei selbst Angaben hinzufügen, um die Karte noch genauer zu machen. Für einige Aspekte zuhause kann sich ein Smart Home anbieten, sodass beispielsweise Fenster und Türen verriegeln und dies per App geprüft wird. Auch die Sprachsteuerung kann hier so einige Aufgaben übernehmen, für die man sonst hätte selbst aktiv werden müssen.

    Probleme
    In vielen Fällen kann die Technik noch recht teuer sein. Diese Kosten werden nicht immer von Krankenkassen übernommen, sondern müssen selbst gedeckt werden. Eine andere, zusätzliche Schwierigkeit kann sein, dass für die meisten Apps eine Internetverbindung nötig ist, um den Service zu nutzen. Gerade unterwegs und in ländlichen Regionen kann dies zu einem Problem werden. Auch insgesamt ist in der Gesellschaft noch dafür zu kämpfen, dass die Integration stärker vorangetrieben wird und dass Forschungsprojekte die nötige finanzielle Förderung erhalten.

    Foto: pxhere

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