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    22-10-2018

    To Stream or not to Stream

    Als Kind war es jedes Mal wieder ein Erlebnis, wenn im Kinosaal langsam die Lichter gedimmt wurden und der langersehnte Film unserer Lieblingshelden anfing, über die Leinwand zu flimmern. Später würden wir unsere Eltern anbetteln, uns mit in die Videothek zu nehmen und dort den Film auf VHS-Kassette oder auf DVD auszuleihen. Von unseren Lieblingskünstlern bestellten wir uns die neuen Alben sobald wie möglich vor. Dann hörten wir die CD rauf und runter, dank Diskman oder später MP3-Player auch unterwegs. Doch wann waren Sie das letzte Mal in der Videothek? Gibt es überhaupt noch eine Videothek in Ihrer Nähe?

    Die neuen Mitspieler
    Seitdem das Internet quasi zur Grundausstattung in jedem Zuhause gehört, hat sich so einiges verändert. Dazu gehört auch, dass Filme und Musik aus dem Internet abgespielt werden. Wenn Sie sich einen bestimmten Film ansehen möchten, können Sie diesen bequem vom Sofa aus starten – ohne vorher noch einmal in die Videothek zu fahren, dort lange danach zu suchen und ihn am Ende nicht zu finden, da er bereits ausgeliehen ist. Im Bereich Musik hat sich Spotify zu einem der größten Anbieter weltweit entwickelt, die anfänglich 15 Millionen Nutzern sind im März 2018 zu 173 Millionen angewachsen. Für Filme können Sie den US-Konzern Netflix oder den deutschen Konkurrenten Maxdome nutzen, ersterer hat weltweit über 78 Millionen Abonnenten. Wenn Sie Amazon Prime haben, können Sie sowohl Filme als auch Musik streamen.

    Rechtliche Aspekte
    Bei den Streaming-Diensten laden Sie die gewünschten Inhalte direkt aus dem Internet herunter und spiele diese zeitgleich ab. Dabei werden die Daten nicht gespeichert, zumindest nicht direkt. Streaming gehörte für eine lange Zeit zu einer rechtlichen Grauzone, da diese Daten im Cache unter den temporären Dateien gespeichert werden. Gegen das Urheberrecht verstößt nach neueren Urteilen das wirkliche Herunterladen von Dateien und wenn Sie durch beispielsweise eine Anmeldung nachverfolgt werden können. Solche Methoden sind aber bei den vielen legalen Streaming-Anbietern auch kaum noch notwendig.

    Angebote
    In den meisten Fällen zahlen Sie ein monatliches Abonnement, in anderen Fällen ist es kostenlos, da Werbung zwischengeschaltet wird. So ist wird es bei Spotify gehandhabt: Nach einigen Liedern wird für Werbung unterbrochen und so das Unternehmen finanziert. Sind Sie von den Spots genervt oder möchten auch unterwegs Musik hören, ohne mobile Daten zu verbrauchen, können Sie mit einem Premium-Account diese Vorteile nutzen. Bei den Anbietern von Video on Demand sind teilweise alle Inhalte im Rahmen des Abonnements inbegriffen, wie es bei Netflix und Maxdome der Fall ist. Bei Amazon ist nicht das gesamte digitale Sortiment im Abonnement von Prime enthalten. Möchten Sie einen Film sehen, der nicht in Prime enthalten ist, können Sie diesen kaufen oder gegen eine Gebühr für eine bestimmte Zeit leihen.

    Vorteile von Streaming
    Die Angebote der Streaming-Dienstleistern sind in den meisten Fällen umfangreich. So stellt Spotify für viele aufstrebende Musiker eine Plattform dar, bekannt(er) zu werden, und bereits bekannte Künstler machen ihre Musik ebenfalls darüber verfügbar. Bei Netflix wird das Sortiment stetig erweitert, neue oder auch ältere Filme, Blockbuster und Serien hinzugefügt oder wieder ins veränderte Programm genommen. Zudem stehen die Inhalte in Fremdsprachen zur Verfügung, in unserem Fall ist dies mindestens Deutsch, Englisch und eine eventuell andere Originalsprache. Hinzu kommt, dass sich Amazon und Netflix fast schon einen Kampf der Giganten liefern, wer die besseren oder die größere Anzahl an Originalproduktionen vorweist. Teilweise wurden diese Originalproduktionen auch schon mit Preisen nominiert oder sogar ausgezeichnet. Sie können die Inhalte auf verschiedenen Geräten wie Smart TV, Xbox oder im Browser abspielen lassen, Wartezeiten oder vergriffene Exemplare gehören dadurch der Vergangenheit an.

    Nachteile von Streaming
    Damit Sie die Angebote der Streaming-Dienstleister überhaupt nutzen können, brauchen Sie nur eine Internetverbindung. Aber hier liegt gerade in ländlicheren Gegenden das Problem. Wenn die Internetverbindung nicht gut ist, werden die Inhalte mit Unterbrechungen wiedergegeben, was natürlich den Genuss beeinträchtigt. Ein weiteres Problem sind die unterschiedlichen Länder. Geoblocking ist hier das Schlagwort, einige Dienste sind für Deutsche im Ausland, beispielsweise im Urlaub, nicht oder eingeschränkt nutzbar und die Inhalte unterscheiden sich von Land zu Land. Aufgrund der ständigen Verfügbarkeit und digitalen Verarbeitung wird allerdings auch zunehmend eine Veränderung unserer Gewohnheiten befürchtet. Etablierte Fernsehsender verlieren ihre Zuschauer, die sich nicht diktieren lassen möchten, was sie abends sehen sollen, Videotheken müssen aufgeben, da Kunden lieber bequem vom Sofa aus den Film wählen, und gerade bei Pop-Musik sind die ersten 30 Sekunden ausschlaggebend, ob das Lied übersprungen wird oder nicht. Diesen Entwicklungen sehen die jeweiligen Unterhaltungsbranchen natürlich sowohl mit Interesse als auch mit Sorge entgegen. Um nicht als Verlierer dazustehen, müssen diese Branchen umdenken. So wurde zum Beispiel die Serie Babylon Berlin auch im Kino gezeigt, nachdem es im Abonnement von Sky und bevor es im Free-TV gezeigt wurde. Aber vielleicht entscheiden Sie sich heute Abend auch mal für ein gutes Buch. Nur – digital oder gedruckt?

    Foto: pxhere

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